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Der Mond - Entzifferung-der-Eiszeitkunst

Die Entzifferung
der Eiszeitkunst
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Die Entzifferung
der Eiszeitkunst
Der Mond
      
      
Die Steinzeitmenschen haben in ihren Bilderhöhlen Himmelsvorgänge dargestellt und die daraus abgeleiteten Mythen.
Weil nach der Sonne der Mond der zweitwichtigste Himmelskörper ist, finden wir seine Symboltiere Bison und Urrind am zweithäufigsten auf den Höhlenwänden, nach den Sonnenpferden.
Der Mond ist interessant durch seinen sich in kurzen Zeitabständen periodisch wiederholenden Gestaltwechsel: wachsender Mond, Vollmond, abnehmender Mond und gar kein Mond (Schwarzmond oder Neumond genannt). Andererseits ist er schwierig zu beobachten, weil er manchmal nachts zu sehen ist, manchmal am Tag; einmal geht er mittags auf und dann wieder mitten in der Nacht.
Aber die astronomisch interessierten Menschen der Steinzeit waren ausdauernde Beobachter. Sie haben schließlich herausgefunden, dass der Mond sich ähnlich verhält wie die Sonne.
Die Auf- und Untergangsorte des Mondes am Horizont wandern hin und her und es gibt eine nördliche und eine südliche Mondwende. Aber während die Sonnenaufgänge ein Jahr benötigen, um von der südlichen Wende zur nördlichen Sommerwende und wieder zurück zu wandern, schafft der Mond das in einem Monat. Die Mondwenden finden also 24-mal im Jahr statt.
Zusätzlich bietet der Mond noch ein besonders beeindruckendes Schauspiel: Die nördliche Mondwende im Winter, bei Vollmond, liegt noch weiter nördlich als die sommerliche Sonnenwende.
Deshalb ist es nur auf den ersten unbedachten Blick überraschend, in der Höhle Lascaux diese Zeichnung zu finden:

Gravur ganz im Ende des "Kabinetts der Löwen" von Lascaux.

Zeichnung: H. Ulrich nach Foto von A. Leroi-Gourhan
Der Mondbison erscheint in weißer Farbe, es ist daher Vollmond. Auch die fast zu einem Kreis gerundeten Hörner mit dem Auge dazwischen weisen auf diese Mondphase hin.
Vor dem Kopf des Bisons ist das (von der Sonne bekannte) Wendezeichen eingraviert. Es ist also verallgemeinert worden und steht hier auch für die Mondwende. Die „Pfeilzeichen“ auf dem Rücken des Tieres geben genauere Auskunft: Hier ist die nördliche Wende dargestellt. Diese Gravur wurde ganz im Ende des Kabinetts der Löwen in die Wand geritzt. Es ist die letzte Darstellung in diesem Gang, am physischen Umkehrpunkt. Ort und Darstellung, Umkehr des Menschen und Umkehr des Mondweges, sind also aufeinander bezogen.
Dieses Bild aus der Höhle Niaux, einige Jahrtausende jünger als Lascaux, ist etwas schwieriger zu lesen.
Es war eines der Lieblingsbeispiele für die Hypothese der sympathetischen Magie, also der Herbeizauberung des Jagderfolgs durch entsprechende Bilder.
  Zwei Wisente im "Schwarzen Salon" der Höhle Niaux         Crédit Photo: E. Demoulin / SESTA

Die beiden Wisente sind mit schwarzer Farbe gezeichnet. Damit wird die Schwarzmondphase dargestellt (auch Neumondphase genannt), die Zeit der monatlichen Neuentstehung des Mondes.
Die Wintersonnwendzeichen und stehen hier für die südliche Mondwende.
Eine extrem südliche Mondwende findet bei Schwarzmond im Winter statt und ist daher nur schwer zu beobachten. Aber die Menschen von Niaux haben es anscheinend geschafft und genau diesen Moment im Bild festgehalten.
Durch ein unglückliches Zusammentreffen oder mit Absicht so gezeichnet hat der rechte Wisent zwei Köpfe. Einer schaut nach vorne, der andere zurück. Das lässt sich wieder als Darstellung der Mondwende interpretieren oder als Darstellung des Mondwechsels, also des Neumonds. Die Hörner bringen etwas mehr Klarheit. Sie sind S-förmig, stellen also abnehmenden und zunehmenden Mond zusammen dar. Das deutet auf die Schwarzmondphase, wenn das Bild der Mondhörner sich umkehrt vom abnehmenden Mond zum zunehmenden Mond .
Die beiden Wisente sind Teil eines größeren Bildfeldes im „Schwarzen Salon“ der Höhle Niaux. Der Kontext bringt noch mehr Erkenntnis.
Das vollständige Bildfeld der Bisons mit Pfeil-Zeichen aus dem "Schwarzen Salon" von Niaux
         Zeichnung: H Ulrich
Der Bison mit den beiden schwarzen Mondwende-Zeichen hat einen sehr schlanken Kopf und die Hörner des abnehmenden Monds. Ihm gegenüber steht ein kräftiges Tier mit dem Hörnerbild des zunehmenden Monds. Zusammengenommen ist das wieder ein Zeichen für die Neumondphase.
Unterhalb dieses großen Bisons links oben sieht man zwei kleinere sich gegenüber stehen. Ihr Hörnerbild zeigt ebenfalls den Mondwechsel bei Neumond.
Zwei Steinböcke zeigen den Winter an. Drei kleine Pferde und ein großes laufen nach rechts. Ein zweites großes Pferd, aber unvollständig, läuft am rechten Bildrand nach links. Die Sonnenwende ist aber nicht ausdrücklich dargestellt.
Es geht auf diesem Bildfeld also um das astronomische Ereignis einer extremen südlichen Mondwende und um den Neumond; um die Erneuerung des Mondes zur Zeit der Wintersonnenwende. Dieses Ereignis war wichtig, um das Mondjahr und das Sonnenjahr in Übereinstimmung zu bringen.
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